Herzog Karl V. von Lothringen, unser Retter Wiens im Jahre 1683 und Befreier Ungarns

Am heutigen Tag hat der Herzog Karl V. von Lothringen Geburtstag, dem wir Deutschen die Sprengung der zweiten Türkenbelagerung unserer Hauptstadt Wien und die Befreiung Ungarns vom Türkenjoch verdanken. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern und zum ehrenden Gedenken, besonders in diesen finsteren Zeiten wo sich der neue Großtürke Erdowahn, in seinem Erdenwahn, dem ganzen Abendland zu drohen erfrecht. Geboren wurde unser Held 1643 in Wien und schon 1664 nahm er bei Mogersdorf an seiner ersten Feldschlacht gegen die Türken bei. Ein großer Abwehrsieg. Bei Seneffe kämpfte er 1674 gegen die Gallier und wurde bald darauf zum kaiserlichen Feldherren ernannt. Im Jahre 1683 führte er unsere deutschen Truppen am Kahlenberg und sprengte den türkischen Belagerung. Er führte anschließend unseren Gegenangriff und besiegte 1687 die Türken in der zweiten Schlacht von Mohacs und läutete damit die Befreiung Ungarns vom türkischen Joch ein, die unser Prinz Eugen vollenden sollte. Ein früher Tod riß unseren Herzog Karl aus dem Leben und so konnte er keine weiteren Heldentaten mehr vollbringen. Geheiratet hat er 1678 Eleonore von Österreich, die Tochter unseres Kaisers Ferdinands III., mit der er sechs Kinder hatte. Richard Wagners Oper Lohengrin habe ich mir für unseren Herzog Karl aus gesucht, da er uns Deutschen auf ähnliche Weise als Retter in der Not erschienen ist wie der Schwanenritter: https://www.youtube.com/watch?v=ZMZOumykxXE Von den Waffentaten unseres Herzogs Karls von Lothringens berichten uns die Lebensbeschreibungen der kaiserlichen Feldherren: https://archive.org/details/bub_gb_d7w_AAAAYAAJ

Karl V. Leopold, Herzog von Lothringen und Bar, Ritter des goldenen Vliesses, kaiserlicher Generalleutnant, Feldmarschall. Geboren als der Sohn des Herzogs Nikolaus Franziskus am 3. April 1643 zu Wien, gestorben am 18. April 1690 ebenda. Gemeinschaftlich mit dem nachmaligen Kaiser Leopold I. am Wiener Hofe erzogen, widmete er sich, wissenschaftlich gründlich vorbereitet und gebildet, in seinem 20. Lebensjahre dem kaiserlichen Kriegsdienste. Von Kaiser Leopold I. zum Oberst-Inhaber eines Kavallerieregiments ernannt, machte er an der Spitze desselben alsbald den Feldzug 1663 gegen die Türken unter Montecuccoli mit vieler Auszeichnung mit, und focht später am Rhein gegen die Franzosen, wo er in der Schlacht bei Seneffe am 11. August 1674 eine schwere Kopfwunde davontrug. 1675 wurde der Prinz zum Feldmarschall ernannt und mit dem Oberbefehl über die gegen Marschall Crequi am Rhein aufgestellte Armee betraut. Er verstand es, seinen Gegner durch geschickte Bewegungen an der Mosel erfolgreich zu täuschen und erschien plötzlich vor Trier, dessen Belagerung er in Angriff nahm. Als Marschall Crequi ihm dahin folgte, führte der Herzog sein Heer dem Feinde entgegen und griff ihn trotz der französischen Übermacht bei Saarbrücken am 11. August 1675 mit so rascher Entschlossenheit und Ungestüm an, dass die von den Franzosen besetzte Brücke im ersten Anlaufe genommen und die Abteilungen Crequis, ehe dieser sie nur zu sammeln vermochte, überall in den Kampf verwickelt waren. Vergebens versuchte der französische Marschall, seine Regimenter zu formieren und in eine geregelte Schlachtordnung zu bringen der linke Flügel derselben wurde nach kurzer Gegenwehr geworfen, die Unordnung teilte sich mit und bald darauf wandte sich die ganze französische Armee zur Flucht, auf welcher namentlich die Infanterie schwere Verluste erlitt. Nach diesem glänzenden Siege kehrte Lothringen wieder vor Trier zurück, machte sich am 6. September zum Meister dieses Lothringen, welcher sich noch in demselben Jahre mit einer Schwester Kaiser Leopold I. vermählt hatte, trat erst 1683 wieder in den Vordergrund. Von diesem Jahre her rührt sein Feldherrnruhm. Seine Aufgabe, wie die ganze Lage war im Beginne dieses furchtbaren Krieges eine überaus schwierige. Mit einer Armee von kaum 37,000 Mann sollte Lothringen sich dem Anmärsche der 200,000 Osmanen im westlichen Ungarn entgegenstellen, ein Unternehmen, das den Prinzen zwischen der Raab und Leitha in die Gefahr brachte, von der feindlichen Armee vollkommen umzingelt und aufgerieben zu werden. Nur mit großer Anstrengung und außerordentlicher Umsicht gelang es ihm, sich dem nahezu sicheren Untergange zu entziehen, einen Teil seiner Truppen nach Wien zu werfen und mit dem Reste derselben auf dem linken Donauufer aufwärts zu rücken, um die herannahenden Hilfstruppen aus dein Reiche und König Johann Sobieski mit dem polnischen Heere zu erwarten. Nach der glücklichen Vereinigung mit diesen führte er das ganze Entsatzheer über die Donau und gegen Wien herab und schlug am 12. September 1683 jene herrliche Türkenschlacht, die, den Wendepunkt bildend in der hundertjährigen Türkennot, das Reich befreite von Barbarentum und Verwüstung und den Grund legte zur Befreiung der christlichen Volker im Osten, die so lange in Druck und Entartung unter türkischem Joche sich gebeugt. Nach dem Entsatze von Wien folgte Lothringen den Türken nach Ungarn nach; die Siege bei Parkany und Gran vergrößerten noch das Resultat des 12. September…“

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Unser geliebtes Deutschlandlied hat uns unser großer deutscher Barde Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtet und weil er wußte, daß ihm unser Dichtergott Bragi da ein Meisterwerk hat erschaffen lassen, verwendete er Haydns Kaiserlied:zu dessen Vertonung. Weshalb unser Haydn selbiges auch gleich aufspielt: https://www.youtube.com/watch?v=P2RPM79YMyM Das Licht der Erdenwelt hat unser Dichter im Jahre 1798 in der sächsischen Stadt Fallersleben erblickt. Sein Vater war Kaufmann, Gastwirt und Bürgermeister und konnte daher seinen Sohn zum Studieren nach Göttingen schicken. Das vorgeschriebene Studienfach, die Gotteskunde vermochte unseren Heinrich von Fallersleben nicht zu begeistern. Doch lehrten damals unsere Gebrüder Grimm in Göttingen und so wiesen sie unserem Dichter den Weg zur deutschen Sprachlehre. Nachdem er an der Bonner Universität einige Jahre gelehrt hatte, erhielt er 1830 an der Breslauer Hochschule einen Lehrstuhl für deutsche Sprache. Den er jedoch 1842 wieder verlor, da seine Verse dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ganz und gar nicht gefielen. Die Folge war ein Wanderleben, das bis 1849 andauerte. Eine neue Heimstatt gründete unser Dichter sich 1855 in Corvey. In den heiligen Stand der Ehe trat unser Heinrich von Fallersleben 1849 mit Ida vom Berge, die ihm vier Kinder schenkte. Zu finden sind seine Werke in den Gedichtsammlungen „Deutsche Lieder aus der Schweiz“, „Bonner Burschenlieder“, „Die Schöneberger Nachtigall“, „Die schlesische Nachtigall“, „Allemannische Lieder“, „Jägerlieder“, „Buch der Liebe“, „Unpolitische Lieder“, „Vierundvierzig Kinderlieder“, „Maitrank“, „Hoffmann’sche Tropfen“, „Soldatenlieder“, „Findlinge“, „Lieder für Schleswig-Holstein“ oder „Vaterlandslieder“. Gar viele der Gedichte unseres Heinrich von Fallersleben wurden vertont. So auch das „Abendlied“ von unserem Tondichter Christian Heinrich Rinck: https://www.youtube.com/watch?v=twnTUp63kSw

„Abend wird es wieder:

über Wald und Feld

säuselt Frieden nieder,

und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet

sich am Felsen dort,

und er braust und fließet

immer, immer fort.

Und kein Abend bringet

Frieden ihm und Ruh,

keine Glocke klinget

ihm ein Rastlied zu.

So in deinem Streben

bist, mein Herz, auch du:

Gott nur kann dir geben

wahre Abendruh.“

Wilhelm Ludwig Gleim

Ein großer deutscher Dichter kam heute zur Welt! Nämlich unser Wilhelm Ludwig Gleim. Im sächsischen Ermsleben wurde er 1719 geboren. Wir finden ihn 1739 in Halle an der Hochschule beim Studium der Rechte, aber schon 1744 nahm er im Gefolge unseres Prinzen Wilhelm von Schwedt am Zweiten Schlesischen Krieg teil. Ausgesorgt hatte er ab 1747. Da erhielt er nämlich die Stelle eines Domschreibers in Halberstadt und da nicht ein jeder sein Geld mit beiden Händen zum Fenster hinauswirft – so wie unser Tondichter Mozart das leider getan hat -, konnte er von seinen Einkünften leben. Der große Erfolg seiner Werke trug dazu freilich auch sein Scherflein bei. Unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe bezeugte ihm seine Ehrerbietung, ebenso wie unsere Königin Luise – die unseren Wilhelm Ludwig Gleim gar den preußischen Tyrtäus nannte. Für die Unwissenden: Tyrtäus war der Barde der alten Spartaner, welcher diese mit seinen Kriegsliedern anfeuerte. Lobenswert erwähnt werden sollte noch, daß unser Dichter sich sehr um den Nachwuchs in seiner Kunst bemühte und deshalb gemeinhin „Vater Gleim“ genannt wurde. Sonst werden die alten Größen ja leicht zu Neidhammeln, die den Jungen möglichst viele Hindernisse in den Weg legen wollen… Von den Gedichtbänden unseres Wilhelm Ludwig Gleims seien beispielhaft die „Königlich Preußische Kriegslieder“, „Gedichte nach Walter von der Vogelweide“, „Gedichte nach den Minnesingern“, „Versuch in Scherzhaften Liedern“, „Der Wirt und die Gäste“, „Halladat oder Das rote Buch“, „Episteln“, „Preußische Soldatenlieder in den Jahren von 1778 bis 1790“, „Einige Gedichte für einige Leser auf dem Kongreß zu Reichenbach und auf der Kaiserwahl zu Frankfurt am Main“, „Sinngedichte“ und „Zeitgedichte“ genannt, falls jemand noch Platz in seiner heimischen Panzerbücherei haben sollte. Von den „Preußischen Kriegsliedern“ gibt es den „Schlachtgesang bei Eröffnung des Feldzuges 1757“ – den leider noch keiner unserer deutschen Tonkünstler vertont hat – zu hören: http://www.zeno.org/Literatur/M/Gleim,+Johann+Wilhelm+Ludwig/Gedichte/Preu%C3%9Fische+Kriegslieder

Auf! Brüder, Friedrich, unser Held,

Der Feind von fauler Frist,

Ruft uns nun wieder in das Feld,

Wo Ruhm zu holen ist.

Was soll, o Tolpatsch und Pandur,

Was soll die träge Rast?

Auf, und erfahre, daß du nur

Den Tod verspätet hast.

Aus deinem Schädel trinken wir

Bald deinen süßen Wein,

Du Ungar! Unser Feldpanier,

Soll solche Flasche sein.

Dein starkes Heer ist unser Spott,

Ist unsrer Waffen Spiel;

Denn was kann wider unsern Gott,

Theresia und Brühl?

Was helfen Waffen und Geschütz

Im ungerechten Krieg?

Gott donnerte bei Lowositz,

Und unser war der Sieg.

Und böt uns in der achten Schlacht

Franzos‘ und Russe Trutz,

So lachten wir doch ihrer Macht:

Denn Gott ist unser Schutz.“

Ansonsten wurden zahlreiche Werke unseres Ludwig Wilhelm Gleim vertont, jedoch habe ich bislang im Netz noch keine Aufnahme als Hörprobe gefunden…

Otto von Bismarck, unser Eiserner Reichskanzler

In Schönhausen wurde 1815 unser Eiserner Kanzler Otto von Bismarck geboren. Gleich Karl dem Großen schmiedete er unser deutsches Reich mit Eisen und Blut wieder zusammen, nachdem es unter den Schlägen Napoleon zersplittert war. Dazu besiegte er mit Hilfe Moltkes des älteren die Dänen, Österreicher und Gallier in drei Kriegen. Wir verdanken ihm die Reichsverfassung von 1871, die Sozialversicherung und viele andere segensreiche Einrichtungen. Zum Geburtstag berühmter Männer erzählt man ja gerne Schwänke aus deren Leben. Im Falle unseres Bismarcks hat uns dieser zahlreiche Schwänke von sich in seinen „Gedanken und Erinnerungen“ überliefert. Ich suche mir aus diesen eine kleine Begebenheit aus, die zeigt mit was für Widerständen unser Bismarck gerade im preußischen Königshaus zu kämpfen hatte (um nicht zu sagen, daß unser Bismarck die Hohenzoller geradezu zu ihrem Glück zwingen mußte): http://www.zeno.org/Geschichte/M/Bismarck,+Otto+von/Gedanken+und+Erinnerungen

„Es konnte nicht befremden, daß diese Ansicht des Prinzen und der damaligen Parteigenossen des Herzogs von Coburg sich auf die Tochter des Ersteren, welche demnächst unsre Kronprinzessin wurde, übertragen hatte. Schon bald nach ihrer Ankunft in Deutschland, im Februar 1858, konnte ich durch Mitglieder des königlichen Hauses und aus eignen Wahrnehmungen die Überzeugung gewinnen, daß die Prinzessin gegen mich persönlich voreingenommen war. Überraschend war mir dabei nicht die Tatsache, wohl aber die Form, wie ihr damaliges Vorurteil gegen mich im engen Familienkreise zum Ausdruck gekommen war: sie traue mir nicht. Auf Abneigung wegen meiner angeblich anti-englischen Gesinnung und wegen Ungehorsams gegen englische Einflüsse war ich gefaßt, mußte aber doch weitergehende Verleumdungen vermuten, als die Frau Prinzessin in einem Gespräch, welches sie mit mir, ihrem Tischnachbar, führte, in halb scherzendem Tone sagte: ich hätte den Ehrgeiz, König zu werden oder wenigstens Präsident einer Republik. Ich antwortete in demselben halb scherzenden Tone, ich sei für meine Person zum Republikaner verdorben, in den royalistischen Traditionen der Familie aufgewachsen und bedürfe zu meinem irdischen Behagen einer monarchischen Einrichtung, dankte aber Gott, daß ich nicht dazu berufen sei, wie ein König auf dem Präsentierteller zu leben, sondern bis an mein Ende ein getreuer Untertan des Königs zu sein. Daß diese meine Überzeugung aber allgemein erblich sein würde, ließe sich nicht verbürgen, nicht weil die Royalisten ausgehen würden, sondern vielleicht die Könige. Pour faire un civet, il faut un lièvre, et pour une monarchie, il faut un roi [Um ein Ragout zu machen braucht man einen Hasen und um eine Monarchie zu machen braucht man einen König]. Ich könnte nicht dafür gut sagen, daß in Ermanglung eines solchen die nächste Generation nicht republikanisch werden könne. Indem ich mich so äußerte, war ich nicht frei von Sorge in dem Gedanken an einen Thronwechsel ohne Übergang der monarchischen Traditionen auf den Nachfolger. Die Prinzessin vermied indessen jede ernsthafte Wendung und blieb in dem scherzenden Tone, liebenswürdig und unterhaltend wie immer; sie machte mir mehr den Eindruck, daß sie einen politischen Gegner necken wollte. In der ersten Zeit meines Ministeriums habe ich noch öfter bei ähnlichen Tischgesprächen beobachtet, daß es der Prinzessin Vergnügen machte, meine patriotische Empfindlichkeit durch scherzhafte Kritik von Personen und Zuständen zu reizen.“

Zu Ehren von unserem Eisernen Reichskanzler habe ich mir natürlich die Brandenburgischen Konzerte von unserem großen deutschen Tondichter Johann Sebastian Bach. https://www.youtube.com/watch?v=hbQORqkStpk

Joseph Haydn

Unser großer deutscher Tondichter Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau geboren. Den Schwerpunkt seines Schaffens bildete unsere alte Hauptstadt Wien, wie so viele unserer großen Tondichter. Unsere deutsche Musik vermehrte er um über 700 Tondichtungen, die von Symphonien, Opern, Messen bis zur Kammermusik reichen. Über Musik zu schreiben ist aber wie immer ebenso sinnvoll wie Malerei zu riechen und daher stelle ich Haydns Meisterwerk „Die Jahreszeiten“ vor: https://www.youtube.com/watch?v=xFytiQX1z58 Und wie immer muß man sich zur Geburtstagsfeier unseres deutschen Tondichters eines von dessen Werken in hörbarer Form aussuchen. Nachzulesen gibt es die Geschichte unseres Tondichters unter anderem bei unserem Musikgelehrten Carl Ferdinand Pohl in seinem Buch „Joseph Haydn“ und darin beginne ich mit der Kindheit: http://www.zeno.org/Musik/M/Pohl,+Carl+Ferdinand/Joseph+Haydn

„In einer flachen, ziemlich reizlosen Gegend Niederösterreichs, östlich von Wien und 13/4, Wegstunden von Bruck an der Leitha entfernt, liegt zwischen den Dörfern Gerhaus und Hollern der Marktflecken Rohrau. Hart am Orte vorbei fließt die aus Steiermark kommende Leitha, die auf einer längeren Strecke Österreich und Ungarn scheidet und sich bei Ungarisch-Altenburg in einen Arm der Donau ergießt. Rohrau, seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Harrach, wurde im Jahre 1627 unter Karl von Harrach, Staatsminister Ferdinands II., von diesem Kaiser zur Reichsgrafschaft erhoben. Unter den Kavalieren, die im Jahre 1724 in Wien bei Hofe in der Oper „Euristeo“ von Caldara mitwirkten, wird auch ein Ferdinand Graf Harrach genannt. Zur Zeit, die uns hier zunächst beschäftigt, war der Besitzer Graf Karl Anton (1692–1758), kaiserlich-königlicher Kämmerer, geheimer Rat, oberster Hof- und Landjägermeister und Erblands-Stallmeister. Von seinen Nachfolgern wurde Karl Leonhard (geboren 1765, gestorben 1831) im Jahre 1826 in Rücksicht seiner großen Verdienste und seiner mit Einsicht verbundenen Vorliebe für die Tonkunst zum kaiserlich-königlichen Hofmusikgrafen ernannt. Er war derselbe, der in seinem, erst unter ihm in den 90er Jahren angelegten weitläufigen Schloßpark dem von seinen Londoner Triumphen heimkehrenden Haydn ein Denkmal setzte. Schloß und Park, von Wassergräben umgeben, liegen abseits vom Orte. Der Markt Rohrau (jetzige Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha) besteht fast nur aus einer Doppelreihe ebenerdiger Häuser, von der Poststraße durchzogen, welche Bruck mit Petronell und Hainburg verbindet. Der Ort hatte wiederholt mit Feuers- und Wassersnot zu kämpfen. In den Jahren 1847 und 1865 brannte der größere Teil der Wohnungen nieder und in letzterem Jahre litt dabei auch die auf halbem Weg des Ortes stehende, erst unlängst wieder hergestellte Pfarrkirche zum h. Vitus, wo sich auch die Familiengruft der Grafen von Harrach befindet. Wiederum unterwühlten Hochwasser der zeitweilig wild daherbrausenden Leitha die dem Flusse zu gelegenen Häuser und richteten namentlich in den Jahren 1813 und 1833 große Verheerungen an. Vor dieser Zeit und zum Teil noch später standen an Stelle der nun solid aufgebauten und weiß übertünchten Häuser meist nur ärmliche, mit Stroh gedeckte Lehmhütten. Feuchte Äcker und von Wässern durchsickerte Wiesen, mit Schilf, Rohr und Weidenbäumen bewachsene Flußufer gaben wohl dem Orte seinen Namen. Jahrzehnte gingen hier spurlos vorüber; noch immer bewegt sich die Einwohnerzahl in gleicher Höhe (circa 500, und mit dem 1/4 Stunde entfernten Gerhaus bei 700 Seelen); noch immer ist der Markt über die Häuserzahl 75 nicht hinausgekommen. Von der Ferne repräsentiert sich derselbe nur unansehnlich; die lohnendste Seite ist noch von Osten her bei den ebenfalls an der Leitha gelegenen Dörfern Hollern und Schönabrunn. Doch vergebens würde man hier ein Landschaftsbild suchen, das im Stande wäre, zu elegischen Zeilen gleich jenen im „Spaziergang“ anzuregen. Am südlichen Ende des Marktes, nach der Brucker Seite hin und gegen das Schloß liegend, wo die Umgebung sich doch etwas freundlicher und auch baumreicher entfaltet, reicht die Häuserreihe zur rechten Seite beim Ausgang des Ortes bis zum Grenzpfahl; die linke Seite endigt früher und das letzte Häuschen trägt die Nummer 60. Dies ist Haydns Geburtsstätte – „eine schlechte Bauernhütte, in der ein so großer Mann geboren wurde“. Nicht ohne Rührung betritt man diese unscheinbare Wohnung, denn wenn auch bei den einzelnen Veränderungen im Verlauf so vieler Jahrzehnte unsere Phantasie nicht wenig nachhelfen muß, so genügt uns doch der Gedanke: auf diesem Fleckchen Erde ist ein großer rechter Meister in die Welt getreten. Der Handwerksbursche, Mathias Haydn, nun Bürger und Wagnermeister in Rohrau, hatte sich im Jahre 1728 das genannte Häuschen gebaut, um daselbst mit seiner jungen Frau einzuziehen, denn am 24. Nov. 1728 vermählte er sich mit der 21 jährigen Jungfer Maria, Tochter des verstorbenen Marktrichters und Bürgers Lorenz Koller (Beil. I, 7 und 8). Als Heiratsgut brachte die Braut, laut Ehevertrags vom 13. Nov., 120 Florin bares Geld samt einer „ehrlichen Ausstaffierung“, welches der Bräutigam mit der Hälfte seines „ganz neu erbauten Kleinhäusl“ per 240 Florin samt dem Wagnerhandwerk widerlegte. Noch in demselben Jahre ist sein Häuschen, dem dazugehörigen Grund entsprechend, als Hofstatt- und drei Jahre später durch die am 12. Sept. 1731 erfolgte weitere Grundzuteilung als Halblehn-Haus bezeichnet (als Halblehner besaß er sechs Joch Grund). Seine Frau gebar ihm 12 Kinder, von denen die Hälfte gleich oder kurz nach der Geburt starb. Das zweite Kind, unser Haydn, erhielt am 1. April 1732 die Taufnamen Franz Joseph. Der herrschaftliche Bestandmüller zu Gerhaus Joseph Hoffmann und seine Frau Anna Katharina waren die Taufpaten (Beil. I, 9). Von den beiden Taufnamen Haydns kam der erste nie in Gebrauch, wie wir dies unter anderem auch bei Franz (Peter) Schubert und (Wilhelm) Richard Wagner finden. So wenig wie bei Beethoven konnte man auch bei Haydn bis jetzt den eigentlichen Tag der Geburt ermitteln. Der Taufact im Kirchenbuch ist unterm 1. April eingezeichnet. Dagegen soll Haydn selbst, wenn Jemand das bei ihm aufgestellte in Holz geschnitzte kleine Modell des Monuments im Park zu Rohrau besichtigte, das dort angegebene Datum 1. April sehr eifrig mit „31. März“ verbessert haben. Und wiederum geben die Aufzeichnungen seines Schülers Neukomm zu der betreffenden Stelle bei Dies (wo sogar der 30. März angegeben ist) die Erklärung: Haydn sagte mir – „ich bin am 1. April geboren und so steht es in meines Vaters Hausbuch eingeschrieben – aber mein Bruder Michael behauptet, ich sei am 31. März geboren, weil er nicht will, daß man sage, ich sei als Aprilnarr in die Welt getreten.“ Der Mittelweg dürfte auch hier der richtige sein: Haydn, geboren in der Nacht vom 31. März zum 1. April, und so kann es immerhin bei dem vorzugsweise angenommenen 31. März sein Verbleiben haben…“

Die Schlacht bei Paris

Manchmal merkt man schon, daß der Napoleon aus Korsika stammt. Sonst hätte er wissen müssen, daß der Verlust der gallischen Hauptstadt Paris gleichbedeutend mit dem Verlust des gallischen Thrones ist. So aber meinte er 1814 im Rücken des preußisch-österreichischen Heeres Unruhe stiften zu können. Diese Gelegenheit ließ sich unser Feldmarschall Blücher natürlich nicht entgegen und zerschmetterte die 30,000 Gallier vor Paris mit seinen 100,000 Recken und damit war der Krieg vor erst aus (wenn allerdings der Napoleon ein Jahr später noch einen Nachschlag haben wollte). Die Einnahme der gallischen Hauptstadt im Jahre 1814 feiere ich mit dem Lied „Deutschland hoch in Ehren“: https://www.youtube.com/watch?v=zLwnvVuGqYc

„O Deutschland hoch in Ehren,

Du heiliges Land der Treu,

Stets leuchte deines Ruhmes Glanz

In Ost und West aufs neu!

Du stehst wie deine Berge

Fest gen Feindes Macht und Trug,

Und wie des Adlers Flug

Vom Nest geht deines Geistes Flug.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Gedenket eurer Väter!

Gedenkt der großen Zeit

Da Deutschlands gutes Ritterschwert

Gesiegt in jedem Streit!

Das sind die alten Schwerter noch,

Das ist das deutsche Herz:

Die schlagt ihr nimmermehr ins Joch,

Sie dauern fest wie Erz!

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Zum Herrn erhebt die Hände:

Er schirm‘ es immerdar,

Das schöne Land, vor jedem Feind.

Hoch steige, deutscher Aar!

Dem teuren Lande Schirm und Schutz!

Sei, deutscher Arm, bereit!

Wir bieten jedem Feinde Trutz

Und scheuen keinen Streit.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Zum Herrn erhebt die Herzen,

Zum Herrn erhebt die Hand,

Gott schütze unser teures geliebtes Vaterland.

Es sind die alten Schwerter noch,

Es ist das deutsche Herz,

Man zwingt sich nimmermehr ins Joch,

Sie dauern aus wie Erz.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!“

Unser preußischer Kriegsphilosoph Carl von Clausewitz legt uns nun den letzten Zug der gallischen Verteidiger dar: http://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC05304281/1/LOG_0003/

„Bewegungen der Marschälle an der Marne und ihr Rückzug auf Paris. Da die Marschälle nicht über 20,000 Mann stark waren, so konnte ihre Bestimmung keine andere sein, als die Armee des Feldmarschalls Blücher zu beobachten und sich ihr vorzulegen, wenn sie den Weg nach Paris einschlagen wollte. Sie stellten sich an den beiden Hauptübergängen der Aisne bei Soissons und Berry-au-Bac auf, wodurch Paris und zugleich Reims gedeckt wurde. Sobald Blücher den 18. anfing vorzurücken, mußten sie natürlich eine so getrennte Aufstellung verlassen. Sie vereinigten sich bei Fismes, nachdem vorher einige widersprechende Bewegungen nach Reims und von da zurück nach Fismes stattgehabt hatten; die Stellung bei Fismes war darauf berechnet, um sich nötigen Falls noch auf der Straße nach Paris vorlegen zu können, und doch den Feind nicht selbst dahin zu ziehen, auch die beiden Armeen Blüchers und Schwarzenbergs so viel als möglich zu trennen. Diese Zwecke waren allerdings lobenswert. In Fismes erhielten sie am 20. März den Befehl, nach Vitry zur Vereinigung mit Bonaparte zu marschieren. Sie gingen über Chateau-Thierry, wo sie den 21., und Montmirail, wo sie den 22. ankamen; von da am 23. nach Bergeres, am 24. nach Vitry und Soude. Unstreitig hatten sie Recht, den sichersten und besten Weg zu gehen, der ohnehin nicht bedeutend um war. Aus Epernay wurde an dem Tage schon General Vincent durch Tettenborn vertrieben. Daß die Marschälle am 24., bevor sie ihren Marsch antraten, nicht eine starke Patrouille bis Vitry versandten, um zu erfahren, was dort stehe, und die Verbindung mit Bonaparte zu eröffnen, würde eine unbegreifliche Nachlässigkeit sein, wenn man sich nicht Truppen und Führer schon in einem gewissen Zustande von Abspannung und Stumpfheit denken müßte. Ihr fernerer Rückzug bis Coulommiers ist einfach und nichts darüber zu sagen; daß sie sich von dort auf Provins wendeten, war das Beste, was sie tun konnten. Daß sie vor den Toren von Paris eine Schlacht annahmen, obgleich sie nicht mehr als 30,000 Mann gegen wenigstens 100,000 ins Gefecht bringen konnten, ist immer nicht zu tadeln. Eine verlorene Schlacht mehr war nicht der entscheidende Punkt in Bonapartes Schicksal, sondern der Besitz von Paris war es. Die Verbündeten konnten ein Paar Tage zaudern, Bonaparte ankommen – diese entfernten Möglichkeiten waren hinreichende Motive in einer Lage, wo nichts zu verlieren war.“

Ernst Jünger, unser Dichter und Sturmtruppführer

Unser Ernst Jünger wurde 1895 in Heidelberg geboren. Seinen Ruhm verdankt er seinen epischen Büchern über die Grabenschlachten des Vierjährigen Krieges. An diesem nahm er als Freiwilliger teil. Gerüchten zu Folge, um der Schulbank zu entfliehen. Man merkt es seinen Schriften auch an, daß hier ein echter Frontkämpfer zu uns spricht. Ein Frontkämpfer, der es vom einfachen Soldaten zum Leutnant gebracht hat und mit dem Eisernen Kreuz, dem Hausorden der Hohenzollern und dem blauen Verdienstorden Friedrichs des Großen ausgezeichnet. Ein zweiter Theodor Körner, sozusagen. Danach trat Ernst Jünger in die Fußstapfen von Ernst Moritz Arndt und setzte mit seinen Schriften den Novemberverbrechern nicht minder zu wie weiland Arndt dem Napoleon. Seine erneute Freiwilligenmeldung zum deutschen Heer im Jahre 1939 ließ Großes hoffen. Nämlich auf Fortsetzungen seiner Kriegsbücher „In Stahlgewittern“, „Das Wäldchen 125“ und „Sturm“. Doch nach dem Sechsjährigen Krieg wendete sich Ernst Jünger von seinem bisherigen Weg ab. Eine große Enttäuschung. Jemanden, der auf den Spuren Körners und Arndts wandelte, in Richtung Hesse abbiegen zu sehen. Denn in ähnlichen geistigen Kreisen bewegte sich Jünger in seinem Spätwerk. Während keiner unserer Feldherren – wie Manstein, Guderian oder Kesselring – oder unserer Panzer- und Fliegerasse – wie Galland, Rudel oder Carius – an der vaterländischen Sache verzweifelt ist und diese uns in ihren Panzerbüchern vom Sechsjährigen Krieg berichtet haben… Aus den Jüngerschen Stahlgewittern lese ich trotzdem ein wenig vor. Unser junger und wahrer Jünger stürzt sich in ein neues Gemetzel: https://archive.org/details/instahlgewittern34099gut

„Das junge Grün des Waldes schimmerte im Morgen. Wir wanden uns durch versteckte Wege zu einer engen Schlucht hinter der vorderen Linie. Es war bekanntgegeben, daß das Regiment 76 nach 20minutiger Feuervorbereitung stürmen und wir als Reserve bereitstehen sollten. Punkt 12 Uhr eröffnete unsere Artillerie eine heftige Kanonade, die vielfach in den Waldschluchten widerhallte. Zum ersten Male vernahmen wir hier das schwere Wort: Trommelfeuer. Wir saßen auf den Tornistern, untätig und erregt. Eine Ordonnanz stürzte zum Kompagnieführer. Hastige Worte. „Die drei ersten Gräben sind in unserer Hand, sechs Geschütze erbeutet!“ Ein Hurra flammte auf. Draufgängerstimmung erwachte. Endlich kam der ersehnte Befehl. Wir zogen in langer Reihe nach vorn, von wo verschwommenes Gewehrfeuer prasselte. Es wurde ernst. Zur Seite des Waldpfades dröhnten in einem Tannendickicht dumpfe Stöße, Zweige und Erde rauschten nieder. Ein Ängstlicher warf sich unter erzwungenem Gelächter der Kameraden zu Boden. Dann glitt der Mahnruf des Todes durch die Reihen: „Sanitäter nach vorn!“ Auf der Grande Tranchée hasteten Truppen vor. Um Wasser flehende Verwundete kauerten am Straßenrand, bahrentragende Gefangene keuchten zurück, Protzen rasselten im Galopp durchs Feuer. Rechts und links stampften Granaten den weichen Boden, schweres Geäst brach nieder. Mitten im Wege lag ein totes Pferd mit riesigen Wunden, daneben dampfende Eingeweide. An einem Baume lehnte ein bärtiger Landwehrmann: „Jungens, jetzt feste ran, der Franzmann ist im Laufen!“ Wir gelangten in das kampfzerwühlte Reich der Infanterie. Der Umkreis der Sturmausgangsstellung war von Geschossen kahl geholzt. Im zerrissenen Zwischenfelde lagen die Opfer des Sturmes, den Kopf feindwärts; die grauen Röcke hoben sich kaum vom Boden ab. Eine Riesengestalt, mit rotem, blutbesudeltem Vollbart starrte zum Himmel, die Fäuste in die lockere Erde gekrallt. Ein junger Mensch wälzte sich in einem Trichter, die gelbliche Farbe des Todes auf den Zügen. Unsere Blicke schienen ihm unangenehm, mit einer gleichgültigen Bewegung zog er sich den Mantel über den Kopf und wurde still. Wir lösten uns aus der Marschkolonne. Fortwährend zischte es in langem, scharfem Bogen heran, Blitze wirbelten den Boden der Lichtung hoch. „Sanitäter!“ Wir hatten den ersten Toten. Dem Füsilier S. zerriß eine Schrapnellkugel die Halsschlagader. Drei Verbandpäckchen waren im Nu vollgesogen. Er verblutete in Sekunden. Neben uns protzten zwei Geschütze ab, noch stärkeres Feuer anziehend. Ein Artillerieleutnant, der im Vorgelände nach Verwundeten suchte, wurde durch eine vor ihm hochfahrende Dampfsäule niedergeschleudert. Er erhob sich langsam und kam mit markierter Ruhe zurück. „Eben ziemlichen Torkel entwickelt!“ Unsere Augen glänzten ihn an. Es dunkelte, als wir den Befehl zu weiterem Vorrücken erhielten. Unser Weg führte uns durch dichtes, geschoßdurchklatschtes Unterholz in einen endlosen Laufgraben, den fliehende Franzosen mit Gepäck bestreut hatten. In der Nähe des Dorfes Les Eparges mußten wir, ohne Truppen vor uns zu haben, eine Stellung in festes Gestein hauen. Zuletzt sank ich in einen Busch und schlief ein. „Mensch, aufstehen, wir rücken ab!“ Ich erwachte in taufeuchtem Grase. Durch die sausende Garbe eines Maschinengewehres stürzten wir in unseren Laufgraben zurück und besetzten eine verlassene französische Stellung am Waldsaume. Ein süßlicher Geruch und ein im Drahtverhau hängendes Bündel erweckten meine Aufmerksamkeit. Ich sprang im Morgennebel aus dem Graben und stand vor einer zusammengeschrumpften französischen Leiche. Fischartiges, verwestes Fleisch leuchtete grünlichweiß aus zersetzter Uniform. Mich umwendend prallte ich entsetzt zurück: Neben mir kauerte eine Gestalt an einem Baum. Leere Augenhöhlen und wenige Büschel Haar auf dem schwarzbraunen Schädel verrieten, daß ich es mit keinem Lebenden zu tun hatte. Ringsumher lagen noch Dutzende von Leichen, verwest, verkalkt, zu Mumien gedörrt, in unheimlichem Totentanz erstarrt. Die Franzosen mußten monatelang neben den gefallenen Kameraden ausgehalten haben, ohne sie zu bestatten.“

Ein Held wie unser Drachentöter Siegfried war unser Ernst Jünger in seiner Jugend fürwahr und deshalb habe ich mir auch Richard Wagners Bühnenmeisterwerk zu seinem Wiegenfest ausgesucht. Welches natürlich unser Kapellgroßmeister Wilhelm Furtwängler zum Besten geben wird: https://www.youtube.com/watch?v=uYQrVahKYVY

Die Schlacht am Naratschsee

Einer der größten Abwehrschlachten des Vierjährigen Krieges gedenken wir heute. Die Schlacht am Naratschsee hat heute (mehr oder weniger) ihr Ende gefunden. Unsre X. Armee, unter Hermann von Eichhorn und Oskar von Hutier, mußte dort mit 70 Bataillonen den Angriff von 370 russischen Bataillonen abwehren. In Zahlen heißt das mit 75,000 Recken und 400 Geschützen dem Angriff von 350,000 russischen Kriegsknechten und 1000 Geschützen standhalten. Was auch ganz gut gelang und am Ende büßten die Russen mit 140,000 Mann ein Drittel ihrer Truppen ein, während wir Deutschen 20,000 Mann verloren haben. Unser Erfolg ist freilich der durch die Feuerkraft sehr gesteigerten Kraft der Verteidigung zu verdanken, wie unser Generaloberst Guderian sagen würde. Den Schlachtgesang „Deutschland hoch in Ehren“ suche ich mir für unsere kleine Siegesfeier aus: https://www.youtube.com/watch?v=zLwnvVuGqYc

„O Deutschland hoch in Ehren,

Du heiliges Land der Treu,

Stets leuchte deines Ruhmes Glanz

In Ost und West aufs neu!

Du stehst wie deine Berge

Fest gen Feindes Macht und Trug,

Und wie des Adlers Flug

Vom Nest geht deines Geistes Flug.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Gedenket eurer Väter!

Gedenkt der großen Zeit

Da Deutschlands gutes Ritterschwert

Gesiegt in jedem Streit!

Das sind die alten Schwerter noch,

Das ist das deutsche Herz:

Die schlagt ihr nimmermehr ins Joch,

Sie dauern fest wie Erz!

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Zum Herrn erhebt die Hände:

Er schirm‘ es immerdar,

Das schöne Land, vor jedem Feind.

Hoch steige, deutscher Aar!

Dem teuren Lande Schirm und Schutz!

Sei, deutscher Arm, bereit!

Wir bieten jedem Feinde Trutz

Und scheuen keinen Streit.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!

Zum Herrn erhebt die Herzen,

Zum Herrn erhebt die Hand,

Gott schütze unser teures geliebtes Vaterland.

Es sind die alten Schwerter noch,

Es ist das deutsche Herz,

Man zwingt sich nimmermehr ins Joch,

Sie dauern aus wie Erz.

Haltet aus! Haltet aus!

Lasset hoch die Banner wehn!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind,

Daß wir treu zusammen stehn,

Daß sich unsre alte Kraft erprobt,

Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!

Haltet aus im Sturmgebraus!“

Bei unserem Dichter und Geschichtsschreiber Walter Flex geht die Schlacht am Naratschsee dazu ein wenig weiter: https://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC05677910/1/

„In der Summe aller geleisteten Arbeit erschöpft sich die schlachtentscheidende Tätigkeit keineswegs: wichtiger als das, was geschieht, ist oft das, was planvoll unterlassen wird. Von den tausend Meldungen, die von allen Teilen der Front an einem Großkampftage im Divisionsstabsquartier und beim Generalkommando zusammenlaufen, sind nur einige wenige berufen, in Befehle verwandelt wieder aus dem Zentrum an die Peripherie hinauszugehen, und oft verkappt sich die wichtigste Nachricht in scheinbare Gleichgültigkeiten und Beiläufigkeiten, während das wahrhaft Nebensächliche breit und anspruchsvoll als Hauptsache auftritt. Es bleib! ein Ruhm der Führung in der Schlacht bei Postawy, trotz aller Finten des Gegners Stoß und Blöße immer rechtzeitig erspäht und ausgenützt zu haben. Von den Brennpunkten der Schlacht verbreitete sich die Unruhe auf die Nachbarfronten und verebbte erst an der Düna im Norden und der Beresina im Süden. Die kurländische Front schien so ruhig, daß mit dem befohlenen Abtransport des LXXXIV. Landwehrregiments zur Armee Eichhorn begonnen wurde, nachdem schon das Reserveregiment LIX am 16. März an die Nachbararmee abgegeben worden war. Zwei Landsturm-Bataillone aus dem Gouvernement Kowno wurden als Ersatz für die Mitauer Front in Aussicht gestellt. An der Düna-Front und am Dryswjaty-See erreichten Artilleriefeuer und Miniertätigkeit eine große Heftigkeit. Die Funkstationen der Armeeabteilung Scholtz stellten an den Rufzeichen des Kavalleriekorps Trubetzkoi fest, daß die bisher zurückgezogene Kavallerie in die Düna-Front einmarschiert war. Um den Abzug ihrer LXXVIII. Reservedivision vom Dryswjaty-See zu verschleiern, steigerten die Russen nördlich des Sees ihr Artilleriefeuer und schnitten südlich des Sees demonstrativ sechs bis acht Meter breite Sturmgassen in ihre Hindernisse. Ein bei Illuxt gesprengter Minentrichter wurde von beherzten Abteilungen unserer LXXVIII. Reservedivision sofort nach der Detonation besetzt. Don Widsy bis Wileity unterhielt die russische Artillerie tagsüber ein lebhaftes Streufeuer. Der Stützpunkt Wileity selbst lag unter Trommelfeuer. Auf die beiden Divisionen im Zentrum des Saarbrücker Korps fielen an diesem Tage nur etwas über 6000 Schutz Artillerie, und südlich des Wiszniew-Sees verebbte die Artillerieschlacht langsam zum Riemen. Durch Scheinangriffe und Demonstrationen der Abschnittsartillerien suchte sich die deutsche und russische Führung das Freimachen weiterer Reserven für die Hauptkampffront zu vergällen. Nach zweistündigem Trommelfeuer durchschnitten die Russen vor dem Südflügel des XXI. Armeekorps bei fortdauernder Schlacht ihre Hindernisse am Birkenwäldchen im Sumpf vor den Hügelstellungen der 251er. Etwas später krochen russische Schützen hinter Stahlschilden, die sie auf Schlitten vor sich herschoben, aus den Drahtverhauen. Die Bewegung, die auf den unmittelbar bevorstehenden Sturm deutete, vollzog sich hinter der Feuermauer der sich pausenlos folgenden Geschoßlagen. Aber die Beobachter der Infanterie und Artillerie waren auf ihrem Posten. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch die Gräben am Narocz-See. Das deutsche Grabensystem, hier in Sand und Lehm besonders gut ausgebaut, war trotz der unvermeidlichen Schäden samt den Hindernissen verteidigungsfähig geblieben. Bor allem aber überschätzte die russische Führung, an die geringe Widerstandsfähigkeit der eigenen Truppen gegen starke Artilleriewirkung gewöhnt, die moralische Wirkung des mehrstündigen Trommelfeuers auf den Musketier im deutschen Graben…“

Tannhäuser

Damit unser großer deutscher Minnesänger Tannhäuser nicht in Vergessenheit gerät, haben wir Panzertiere heute einen Gedenktag für ihn eingeschoben. Gelebt hat er wohl bis 1270 und ist am Hofe Herzog Friedrichs des Streitbaren von der Ostmark bezeugt. Weniger sicher ist man sich bei seiner Teilnahme am Kreuzzug unseres Kaisers Friedrichs II. gegen die Sarazenen. Seine Werke überliefert uns unter anderem die Heidelberger Liederhandschrift. In der Sage schenkt ihm die Liebesgöttin Venus (in deutschen Landen als Freya bekannt) ihre Gunst. Bei unserer Gedenkfeier für unseren Tannhäuser darf natürlich Richard Wagners gleichnamiges Bühnenmeisterwerk niemals nicht fehlen: https://www.youtube.com/watch?v=36g3-teFoSM In diesem verknüpfte Richard Wagner den sagenhaften Sängerkrieg mit dem Tannhäuserlied, welches ich mir zu Ehren unseres Tannhäusers ausgesucht habe:

Nun will ich aber heben an,

Vom Tannhäuser wollen wir singen,

Und was er wunders hat getan

Mit Frau Venussinnen.

Der Tannhäuser war ein Ritter gut,

Er wollt groß Wunder schauen,

Da zog er in Frau Venus Berg

Zu andern schönen Frauen.

Herr Tannhäuser, Ihr seid mir lieb,

Daran sollt Ihr gedenken,

Ihr habt mir einen Eid geschworen,

Ihr wollt nicht von mir wanken.“

Frau Venus, ich hab es nicht getan,

Ich will dem widersprechen;

Denn niemand spricht das mehr als Ihr,

Gott helf mir zu den Rechten.“

Herr Tannhauser, wie saget Ihr mir!

Ihr sollet bei uns bleiben,

Ich geb Euch meiner Gespielen ein

Zu einem ehelichen Weibe.“

Nehme ich dann ein ander Weib,

Als ich hab in meinem Sinne,

So muß ich in der Höllenglut

Da ewiglich verbrennen.“

Du sagst mir viel von der Höllenglut,

Du hast es doch nicht befunden;

Gedenk an meinen roten Mund,

Der lacht zu allen Stunden.“

Was hilft mich Euer roter Mund,

Er ist mir gar unmehre,

Nun gib mir Urlaub, Frau Venus zart,

Durch aller Frauen Ehre.“

Herr Tannhäuser, wollt Ihr Urlaub han,

Ich will Euch keinen geben,

Nun bleibet, edler Tannhäuser zart,

Und frischet Euer Leben.“

Mein Leben ist schon worden krank,

Ich kann nicht länger bleiben,

Gebt mir Urlaub, Fraue Zart,

Von Eurem stolzen Leibe.“

Herr Tannhäuser, nicht sprecht also,

Ihr seid nicht wohl bei Sinnen;

Nun laßt uns in die Kammer gehn

Und spielen der heimlichen Minnen.“

Eure Minne ist mir worden leid,

Ich hab in meinem Sinne,

O Venus, edle Jungfrau zart,

Ihr seid eine Teufelinne.“

Tannhäuser, ach, wie sprecht Ihr so,

Bestehet Ihr mich zu schelten?

Sollt Ihr noch länger bei uns sein,

Des Worts müßt Ihr entgelten.

Tannhäuser, wollt Ihr Urlaub han,

Nehmt Urlaub von den Greisen,

Und wo Ihr in dem Land umbfahrn,

Mein Lob, das sollt Ihr preisen.“

Der Tannhäuser zog wieder aus dem Berg

In Jammer und in Reuen:

Ich will gen Rom in die fromme Stadt,

All auf den Papst vertrauen.

Nun fahr ich fröhlich auf die Bahn,

Gott muß es immer walten,

Zu einem Papst, der heißt Urban,

Ob er mich wolle behalten.

Herr Papst, Ihr geistlicher Vater mein,

Ich klag Euch meine Sünde,

Die ich mein Tag begangen hab,

Als ich Euch will verkünden.

Ich bin gewesen ein ganzes Jahr

Bei Venus, einer Frauen,

Nun will ich Beicht und Buß empfahn,

Ob ich möcht Gott anschauen.“

Der Papst hat einen Stecken weiß,

Der war vom dürren Zweige:

Wann dieser Stecken Blätter trägt,

Sind dir deine Sünden verziehen.“

Darnach wohl auf den dritten Tag

Der Stecken hub an zu grünen,

Da sandt man Boten in alle Land,

Wohin der Tannhäuser kommen.

Da war er wieder in den Berg,

Darinnen sollt er nun bleiben

So lang bis an den Jüngsten Tag,

Wo ihn Gott will hinweisen.

Das soll nimmer kein Priester tun,

Dem Menschen Mißtrost geben,

Will er denn Buß und Reu empfahn,

Die Sünde sei ihm vergeben.“

Kaiser Maximilian I. – unser letzter Ritter

Der letzte Ritter, unser alter deutscher Kaiser Maximilian I., hat mal wieder Geburtstag. In Wien erblickte er 1459 das Licht der Erdenwelt und regierte unser altes deutsches Reich von 1493 bis 1519, wobei ihn sein Vater Kaiser Friedrich III. schon 1486 zum deutschen König wählen ließ. Haydns Kaiserquartett ist daher mal wieder ein Muß: https://www.youtube.com/watch?v=Gp67GkY8x1w Vor seiner Thronbesteigung baute Maximilian seine Hausmacht durch die Ehe mit Maria von Burgund aus. Damit sicherte er auch die Westgrenzen unseres alten Reiches gegen Gallien. Ludwig XI. von Gallien beabsichtigte nämlich, Maria von Burgund mit seinem Sohn Karl zu verheiraten. Und da die burgundischen Ländereien die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund umfaßte, war das keine kleine Gefahr – man denke hier an Ludwig XIV. und Napoleon. Entsprechend mußte unser Kaiser Maximilian I. seine burgundischen Besitzungen in der Schlacht von Guinegate 1479 verteidigen. Danach hatte er weitgehend Ruhe und konnte sich der Verbesserung der Reichsverfassung widmen, der er die Reichskreise, das Reichskammergericht und den Ewigen Landfrieden hinzufügte. In den Jahren 1504 und 1505 mußte er den Landshuter Erbfolgekrieg schlichten, in welchem sich die Wittelsbacher um das Erbe einer ihrer ausgestorbenen Linien zankten. In einer geharnischten Vermittlung zerschmetterte unser Kaiser Maximilian die Böhmen 1504 in der Schlacht von Wenzenbach. Wie man vielleicht schon in der ein oder anderen Dürer-Ausstellung gesehen hat, förderte Kaiser Maximilian auch die Künste. Ja, er war sogar selbst als Dichter tätig. Die Epen Theuerdank und Weißkunig schildern seine Taten und aus dem Theuerdank, der von der Brautwerbung um Maria von Burgund handelt, tragen wir zur Feier seines Geburtstags vor. Daher nun ein weiteres Stück aus diesem: https://archive.org/details/teuerdankdiegef00goedgoog

„Wie Fürwittig den Held Teurdank abermals in ein Geferlicheit mit einem Schwein fûret

Als nun Teurdank, der teurlich Mann,

Was on Schaden kommen darvon

Vom Leoben, über etlich Tag

Fürwittig zů dem Helden sprach:

„Herr, ich weiß an eim andern Ort

Ein hauends Swein. Ir habt gehort

Warlich bei all Euren Tagen

Von eim größern Swein nie sagen.

Mein Jeger haben das bestallt

An einem Graben in dem Wald.

Nun ist bei uns hie zůland Sitt,

Welcher vor andern Rom damit

Will begeen, der scheußt dasselb Swein

Vor aus eim Handbogen allein,

Darumb daß es recht zornig werd;

Darnach fellt er ab von seim Pferd

Und sticht zůfueß dasselbig Tier.“

Teurdank der Held antwort: „Bei mir

Ist dise Gwonheit ganz nit,

Aber nichts destminder, damit

Ich auch wiß darvon zů sagen,

So heißt ein Bogen hertragen,

Will ich mich versuchen daran.«

Fürwittig, der ungetreu Mann,

Bald im einen Bogen herbracht,

Darneben im Herzen gedacht:

Zeug neur hinaus auf das Jejeid,

Mir wer von meinem Herzen leid,

Solltest du wider her kommen,

Du hettst dann vor genommen

Von dem Swein einen Leibschaden.“

Mittlerzeit da was geladen

Der Wagen mit Speis, so zům Jeid

Gehort. Den fůrt man nach seim Bescheid,

Und er zog mit dem Held hinnach.

Teurdank dem was zů dem Schwein gach.

Da si nun kamen an das Ort,

Sach der Teurdank von weiten dort

Das groß Schwein laufen gen im her.

Teurdank dem Held warde nit mer,

Dann daß er zog den Bogen sein

Und schoß ein Pfeil in das Wildschwein.

Darvon es erst erzürnet recht,

Lief den nechsten auf den Held schlecht.

Der fiel behend von seinem Pferd,

Nam in sein Hand das scharpfe Schwert,

Stach dasselbig Schwein mit Gewalt

Zů Tod, das lag im grůnen Wald.

Aber der Sach nit wurde erfreit

Fürwittig, dann im was fast leid,

Daß der Helde nit für das Schwein

Sollt im Wald tot beliben sein,

Wiewol er nit dergleichen tet,

Sonder stellt sich, als ob er hett

Ab diser Tat groß Freud und Wunn.

In dem wollt die liechte Sunn

Geen zů Rast mit irem Wagen.

Das Swein schůef er heim zů tragen,

Gedacht: Groß Gelück hat der Mann!

Ich weiß nit, was ich weiter an

Mit dem Helden doch fahen soll,

Es geet im darin allzeit wol;

Mich helfen nit all meine List,

Dann er mir zů gelückhaft ist.

Aber nichts minder, wie im sei,

Und wonet im noch sovil bei

Schicklicheit mit Gelückes Fall,

So hoff ich noch, er werd einmal

Ubersehen die rechten Schanz,

Dann manchen gar seltzamen Tanz

Will ich dem Helden pfeifen noch.

Damit aus in ein jeder zog

Anheim wider an sein Gemach.

Nun hört zů, was weiter geschach…“

Damit wäre der Wahrheit im Goetheschen Sinne Genüge getan. Die Wahrheit erfahrt ihr bei unserem Joseph Grünpeck in „Die Geschichte Friedrichs III. und Maximilians I.“ – von der Knabenzeit unseres letzten Ritters berichtet uns unser Geschichtsschreiber: https://archive.org/details/diegeschichtefr00ilgegoog

„Noch wußte er nicht der Zunge die Fähigkeit der Sprache zu leihen, noch vermochte er nicht so recht die Füße zum Gehen zu gebrauchen, schon aber gab er frühzeitig Zeichen von sich, was für ein Fürst er werden, welche Fähigkeiten er sich aneignen würde. Wenn jemand zu ihm herantrat, bekundete er nicht bloß durch die Bewegung des Mundes und der Lippen, wie es gewöhnlich geschieht, daß er sprechen wolle, sondern er zeigte das lebhafte Verlangen, ihn freundlich mit ausgestreckter Hand zu begrüßen. Weiterhin wenn er einen Brief oder sonst etwas Geschriebenes fand, drehte er es in der Hand hin und her, gleichsam als ob er es lesen wollte. Hinwiederum, so oft seine Augen auf Gewappnete fielen, hat er stets mit dem Zeigefinger der Amme die Waffen gewiesen; sah er aber ein Messer an irgend eines Seite hängen, so hat er nicht eher zu schreien aufgehört, als bis es ihm dargeboten war. Aber auch für feine Freigebigkeit gab er die deutlichsten Belege: Korallen, silberne Pfeifen, Kristalläpfel, steinerne Kugeln und anderes Kinderspielzeug, durch welches die Ammen oder Wärter das Geschrei der kleinen Kinder zu stillen gewohnt sind, schenkte er sofort jedem, der ihn da rum bat. Als er nun aber des Gebrauchs der Sprache, der Hände und Füße vollständig mächtig war, begann er sofort, wie das die Kinder zu tun pflegen, sich einen Stecken als Pferd zuzurichten und seine Altersgenossen, darunter auch Knaben aus unteren Ständen, zum Kriegsspiel und Speerkampf aufzufordern. Die Knabenschar teilte sich dann in zwei Parteien; aber was auch immer auf der einen oder anderen Seite aufgestellt werden mochte, in allen Wettkämpfen behauptete Maximilian als erster den Sieg. Übrigens lernte er mit der Schleuder Steine werfen, die Pfeile nach dem Ziel zurichten, desgleichen gläserne und steinerne Kugeln durch ausgehöhlte Rohre, welche die Stelle von Geschützen vertraten, so trefflich und sicher abzuschießen, daß er es älteren Leuten, ja sogar geübten Meistern gleichzutun schien. Auch alle übrigen Übungen, denen er sich in Gemeinschaft mit beanlagten Altersgenossen hingab, führte er weit geschickter als diese aus, mit einem gewissen natürlichen Anstand und großer Anmut in den Bewegungen. Seiner Mutter Leonore, welche ihren kleinen Sohn ausschließlich zur Betätigung der Religion anhalten zu sollen glaubte, war das ein sehr lästiger Anblick. Dem Kaiser Friedrich hingegen war dies zu schauen um so angenehmer, je bestimmter und deutlicher er schon von Kindheit an das herauszubilden bestrebt war, was ihm aus den Zeichen der Sternbilder die Sterndeuter bereits längst geweissagt hatten. Dadurch jedoch wurde er häufig seinen beiden Eltern unbequem, daß er die Juden gar nicht leiden konnte, und diese sich durch deutliche Winke vom Leibe hielt. Verschiedene Beurteilung erfuhr er deshalb von denjenigen, welche gewöhnlich die Hofburg besuchten. Die Meisten leiteten aus den Anzeichen seiner außerordentlichen Begabung und dem sittlichen Ernst, der sich in Worten und Taten kund gab, besondere Seelengröße und ein kluges Erfassen der Zeitumstände her und versicherten, nichts werde ihm in seinem Leben jemals so widerwärtig und fremd, noch auch so fein gesponnen und schlau angelegt entgegentreten, daß er demselben nicht alle Spitzen seines Geistes, seine männliche Kraft und, wenn es die Not erforderte, Hals und Leben mutig und unerschrocken entgegensetzen würde. Viele urteilten auch aus einigen angeborenen Merkzeichen, besonders aus den doppelten Eckzähnen, daß er einst nicht anders als ein wilder Eber wüten werde. Ein Jude aber, welcher sich auf Stirnschauen verstand, antwortete, als er von der Mutter Leonore, die, – wie das so Mütter zu tun pflegen, wenn die Vermutung hinsichtlich des Schicksals der Kinder irgend etwas Schlimmes vorhersagt – die Mutmaßungen der übrigen zu verwerfen gewohnt war, neugierig gefragt wurde, ob er nicht irgend ein neues Moment vorzubringen im Stande sei, soviel wisse er ganz bestimmt und aus dem strahlenden Feuer der Augen des Knaben, in welchem etwas Furchtgebietendes liege, gehe es deutlich hervor, es werde häufig vorkommen, daß nicht nur bei seinem Anblick, sondern schon bei Nennung seines Namens die tapfersten und beherztesten Männer die Flucht ergreifen würden. Indessen mit solchen Urteilen, die nur auf Mutmaßungen beruhten, und mit den sozusagen aus dem Stegreif hervorgebrachten Geschichtchen der Mutmaßer gab sich der Kaiser nicht zufrieden. Um feines Söhnchens wechselnde Schicksale des dabei sich herausstellenden vielseitigen Vorteils halber aus sicherer Kenntnis genau zu erfahren, fragte er erfahrene Nativitätssteller um Rat, was sie von Maximilians Zukunft hielten, ob sie von glücklichem Fortgang oder Mißerfolgen begleitet sein würde. Diese, aus den untrüglichen Bewegungen der Gestirne zuverlässige Berechnungen anstellend, versicherten ohne Zögern unter Anderem, sein Leben werde bis zum letzten Atemzug mannigfachen und nahezu beständig sich ändernden Zufällen unterworfen bleiben, indem es in jähem Wechsel bald bis zu den höchsten Stufen des Glückes emporgehoben, bald in die Tiefe des Unglücks herabgeschleudert werden würde. Niemals jedoch würde ihm die Zuneigung des Volkes und auch wiederum eine Steigerung des Glückes fehlen; im Übrigen seien seine Schicksale mit einer völligen Unbeständigkeit gepaart, daß Keiner weiß oder schwarz daraus abzuleiten vermöchte…“